Schluss mit Kostenverschiebung auf Pflegebedürftige – Bündnis fordert solidarische Vollversicherung

3. März 2026

Das Bündnis für eine solidarische Pflegevollversicherung* hat sich mit Schreiben an die Parteivorsitzenden der Bundestagsparteien (ohne AfD) sowie an Bundesgesundheitsministerin Nina Warken gewandt. Es fordert einen Systemwechsel in der Pflegefinanzierung – und wirksame Entlastungen bei Eigenanteilen, Ausbildungs-, Investitions- und Behandlungspflegekosten.


Vor dem Hintergrund der Ergebnisse der Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Zukunftspakt Pflege“ vom 11. Dezember 2025 drängt das Bündnis auf eine grundlegende Reform der Pflegeversicherung. In den Schreiben vom 17. und 27. Februar 2026 kritisieren die unterzeichnenden Verbände, dass die Senkung der pflegebedingten Eigenanteile weiterhin offenbleibe.


Ein diskutierter Eigenanteils-Deckel von 1.000 oder 1.200 Euro in Pflegeheimen würde für viele Betroffene keine spürbare Entlastung bringen. Die heutigen Belastungen seien bereits zu hoch und stünden im Widerspruch zum Ziel, pflegebedingte Verarmung zu vermeiden.


Zwar werde diskutiert, Kostenbestandteile wie die Behandlungspflege in vollstationären Einrichtungen, Ausbildungskosten oder Investitionskosten – etwa über ein „Wohngeld im Pflegeheim“ – anders zu finanzieren. Das Bündnis begrüßt diese Ansätze grundsätzlich, kritisiert jedoch, dass entsprechende Entlastungen bislang kaum auf den ambulanten und häuslichen Bereich übertragen werden.


Statt einer verpflichtenden privaten Zusatzversicherung – für die es laut Bündnis keine gesellschaftliche Mehrheit gebe – wirbt das Bündnis für eine Pflegebürgervollversicherung. Kernelemente sind:


  • Einbeziehung privat Versicherter in die soziale Pflegeversicherung (mit Bestandsschutz),
  • Einbezug weiterer Einkommensarten,
  • Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze,
  • vollständige Übernahme pflegebedingter Kosten in der stationären Pflege,
  • deutliche Leistungsverbesserungen im ambulanten Bereich.


Laut dem beauftragten Gutachten könnten die durch die Bürgerversicherung generierten Mehreinnahmen die Einführung einer Vollversicherung langfristig – auch bis 2060 – tragen, ohne nennenswerte Beitragssatzsteigerungen für Versicherte mit Einkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze.


Das Bündnis bittet Bundesregierung und Parteien ausdrücklich, den Vorschlag der Pflegebürgervollversicherung in die weiteren Reformberatungen einzubeziehen.


Gleichlautende Schreiben an Parteivorsitzende >


Schreiben an Bundesministerin Nina Warken >


*Dem Bündnis für eine solidarische Pflegevollversicherung gehören an: Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband – Gesamtverband e. V., Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e. V. (ASB), Arbeiterwohlfahrt Bundesverband e. V. (AWO), BKSB – Bundesverband der kommunalen Senioren- und Behinderteneinrichtungen e. V., BIVA Pflegeschutzbund, Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK), Deutscher Frauenrat, Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB), IG Metall, Sozialverband Deutschland (SoVD), Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) sowie die Volkssolidarität Bundesverband e. V. | Webseite >


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