Evaluation bestätigt deutliche Lohnsteigerungen in der Pflege
Die Entlohnung von Pflege- und Betreuungskräften in der Langzeitpflege ist seit Einführung der Tarifregelungen deutlich gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt ein jetzt vom Bundesgesundheitsministerium veröffentlichter Evaluationsbericht. Gleichzeitig verweist die Untersuchung auf steigende Kosten, höhere Eigenanteile und zusätzlichen Verwaltungsaufwand.
Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat den Abschlussbericht zur Evaluation der seit September 2022 geltenden Regelungen zur tariforientierten Bezahlung in der Langzeitpflege veröffentlicht. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass das gesetzgeberische Ziel einer besseren Entlohnung von Pflege- und Betreuungskräften erreicht wurde.
Dem Bericht zufolge stiegen die Löhne seit Einführung der Regelungen deutlich an. Besonders stark fiel die Entwicklung bei Pflegehilfskräften aus. Auch bei Assistenz- und Fachkräften wurden spürbare Zuwächse verzeichnet.
Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:
- Pflegehilfskräfte: +22,9 Prozent
- Pflegeassistenzkräfte: +20,8 Prozent
- Pflegefachkräfte: +19,6 Prozent
- Die Vergütung in der Langzeitpflege hat sich weitgehend dem Niveau der Krankenhauspflege angenähert.
- Die Lohnentwicklung lag über der Entwicklung des Pflegemindestlohns sowie über der allgemeinen Reallohnentwicklung vergleichbarer Ausbildungsberufe.
Nach Einschätzung des Bundesgesundheitsministeriums hat die tariforientierte Bezahlung dazu beigetragen, die Attraktivität der Pflegeberufe zu erhöhen und Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen Versorgungsbereichen zu verringern.
Höhere Kosten und zusätzlicher Verwaltungsaufwand
Der Evaluationsbericht verweist jedoch auch auf die Folgen der gestiegenen Personalkosten. So haben die höheren Löhne zu steigenden Ausgaben in der Pflege geführt und damit auch die Eigenanteile vieler Pflegebedürftiger beeinflusst. Darüber hinaus wird ein erheblicher bürokratischer Aufwand bei der Umsetzung der Regelungen beschrieben. Dies betrifft sowohl Pflegeeinrichtungen als auch Pflegekassen.
Für die Träger von Pflegeeinrichtungen sind diese Aspekte von besonderer Bedeutung. Während die bessere Vergütung grundsätzlich begrüßt wird, weisen viele Einrichtungen seit Jahren auf die Notwendigkeit einer verlässlichen Refinanzierung der steigenden Personalkosten hin.
Bericht erscheint in politisch sensibler Phase
Die Veröffentlichung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Zukunft der Tarifregelungen erneut politisch diskutiert wird. Der Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes sieht vor, die bestehenden Regelungen zur tarifgebundenen beziehungsweise tariforientierten Bezahlung vorübergehend auszusetzen und die weitere Entwicklung zu beobachten.
Verbände wie der Paritätische Wohlfahrtsverband haben diese Pläne bereits kritisiert. Sie warnen davor, die Tarifbindung in der Pflege infrage zu stellen und damit die in den vergangenen Jahren erzielten Verbesserungen bei der Entlohnung zu gefährden.
Der nun vorliegende Evaluationsbericht dürfte daher auch in die anstehenden Beratungen zum Pflegeneuordnungsgesetz einfließen. Er bestätigt einerseits die Wirksamkeit der Regelungen für die Lohnentwicklung, macht andererseits aber auch die finanziellen und administrativen Herausforderungen für Pflegebedürftige, Kostenträger und Einrichtungen deutlich.


