Saarland: Zahl der Pflegebedürftigen könnte bis 2040 auf 150.000 steigen
Die Zahl der Pflegebedürftigen im Saarland wird in den kommenden Jahren deutlich wachsen. Zugleich steigen die finanziellen Belastungen und der Bedarf an professioneller Unterstützung. Damit rücken auch neue Wohn- und Versorgungsformen stärker in den Fokus.
Wie die Saarbrücker Zeitung unter Berufung auf eine aktuelle Umfrage und Angaben des saarländischen Sozialministeriums berichtet, sorgen sich viele Saarländerinnen und Saarländer vor den finanziellen Folgen einer Pflegebedürftigkeit. Die Eigenanteile in Pflegeheimen liegen demnach inzwischen bei bis zu 4.000 Euro monatlich.
Gleichzeitig wächst die Zahl der Menschen, die auf Pflege angewiesen sind. Derzeit gibt es im Saarland rund 116.000 Pflegebedürftige. Bis zum Jahr 2040 könnte ihre Zahl nach Angaben des Sozialministeriums auf etwa 150.000 steigen.
Bedarf an professioneller Pflege nimmt zu
Der weit überwiegende Teil der Pflege findet weiterhin zu Hause statt. Knapp 69.000 Pflegebedürftige werden ausschließlich von Angehörigen versorgt. Nach Einschätzung des Sozialministeriums kann jedoch nur ein Teil der Pflegebedürftigen ohne professionelle Unterstützung dauerhaft in der eigenen Häuslichkeit verbleiben.
Mit der demografischen Entwicklung dürfte deshalb auch der Bedarf an professioneller Pflege weiter zunehmen. Für Pflegeeinrichtungen stellt sich damit nicht nur die Frage der Personalgewinnung, sondern auch, wie ambulante, teilstationäre und stationäre Angebote künftig weiterentwickelt und miteinander verzahnt werden können.
Personalgewinnung bleibt zentrale Herausforderung
Das Saarland setzt bei der Fachkräftesicherung unter anderem auf die Gewinnung ausländischer Pflegekräfte. Nach Angaben des Ministeriums habe das Programm „Saar66“ bereits Erfolge erzielt. Seit 2021 seien inzwischen 1.000 zusätzliche Pflegefachkräfte gewonnen worden, rund ein Viertel davon aus dem Ausland. Darüber hinaus sollen künftig weitere Berufsgruppen, etwa aus der Hauswirtschaft, stärker einbezogen werden.
Neue Wohn- und Versorgungsformen gewinnen an Bedeutung
Die demografische Entwicklung wirft zugleich die Frage auf, in welchen Strukturen ältere und pflegebedürftige Menschen künftig leben und versorgt werden sollen. Das Sozialministerium will deshalb nach Angaben der Saarbrücker Zeitung neben neuen Wohnformen auch betreute Senioren-Wohngruppen und mehr Nachbarschaftshilfe stärker in den Blick nehmen.
Auch die Kommunen sollen dabei eine größere Rolle spielen. Im Rahmen des Programms „Saar 66“ arbeiten derzeit 19 Kommunen an generationenübergreifenden Konzepten. Darüber hinaus verweist der Bericht auf Modellprojekte zur altersgerechten Quartiersentwicklung und zur stärkeren Einbindung älterer Menschen.
Für Pflegeeinrichtungen sind diese Entwicklungen auch strategisch relevant. Wenn Versorgung künftig stärker im Quartier, in neuen Wohnformen und durch eine Kombination aus professioneller Pflege, informeller Unterstützung und kommunalen Strukturen organisiert wird, verändern sich auch die Anforderungen an bestehende Leistungsangebote und deren Vernetzung.
Die aktuellen Zahlen machen damit deutlich: Die zukünftige Sicherung der Pflege wird nicht allein eine Frage der Finanzierung und Personalgewinnung sein. Ebenso wichtig wird sein, wie professionelle Pflegeangebote, neue Wohnformen, familiäre Unterstützung und kommunale Strukturen zu tragfähigen Versorgungsarrangements verbunden werden können.
Quelle: Saarbrücker Zeitung, 26. August 2026


