Eine aktuelle Allensbach-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit zeigt eine große Verunsicherung der Bevölkerung in Rheinland-Pfalz über die Zukunft der Pflege. Hohe Heimkosten, Personalmangel und Zweifel an der Finanzierung der Pflegeversicherung prägen das Meinungsbild.
Die Pflegeversorgung wird von vielen Menschen in Rheinland-Pfalz zunehmend kritisch gesehen. Laut einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der DAK-Gesundheit bewerten
64 Prozent der Befragten die aktuelle Pflegesituation als nicht oder gar nicht gut. Fast jeder Zweite erwartet zudem, dass sich die Versorgung in den kommenden zehn Jahren weiter verschlechtert.
Für die Studie wurden bundesweit rund
4.400 Menschen zwischen 16 und 75 Jahren, darunter
240 Befragte aus Rheinland-Pfalz, interviewt. Die Ergebnisse sind Teil des aktuellen DAK-Pflegereports.
Auch die
Finanzierung der Pflegeversicherung wird von vielen Bürgerinnen und Bürgern als unsicher eingeschätzt:
73 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die langfristige Finanzierung derzeit nicht ausreichend gesichert ist.
„Unser Pflegereport zeigt eine große Verunsicherung der Bevölkerung“, erklärt
Rainer Lange, Landeschef der DAK-Gesundheit in Rheinland-Pfalz. Die Ergebnisse seien ein klarer Auftrag an die Politik, die bekannten Probleme in Finanzierung und Versorgung zu lösen und die Pflegeversicherung strukturell neu auszurichten.
Hohe Heimkosten und Personalmangel als zentrale Probleme
Als größte Herausforderung sehen die Befragten vor allem die
Kosten für Pflegebedürftige und ihre Familien bei stationärer Pflege.
72 Prozent nennen diesen Punkt als eines der wichtigsten Probleme.
Darauf folgen der
Personalmangel und fehlende Pflegekräfte (70 Prozent) sowie die
Finanzierung des Pflegesystems insgesamt (65 Prozent).
Die Umfrage zeigt zudem eine große persönliche Sorge:
- 87 Prozent sind überzeugt, dass Pflege für viele Menschen kaum noch bezahlbar ist.
- 73 Prozent sehen Pflege sogar als Armutsrisiko für Betroffene und ihre Familien.
- Rund drei Viertel befürchten, im Pflegefall selbst finanziell überfordert zu sein.
Bevölkerung fordert bezahlbare Pflege
Vor diesem Hintergrund erwarten die Menschen deutliche Reformen des Systems.
89 Prozent der Befragten nennen als wichtigstes Ziel, dass Pflege künftig für alle Menschen bezahlbar sein muss.
Weitere zentrale Erwartungen sind:
- 85 Prozent: langfristige Sicherung der Finanzierung der Pflegeversicherung
- 78 Prozent: Deckelung der Kosten für Pflegeheimplätze
- 70 Prozent: Vereinfachung des bestehenden Leistungssystems
Eine große Mehrheit (84 Prozent) empfindet es zudem als ungerecht, dass Versicherte trotz langjähriger Beitragszahlungen im Pflegefall häufig nicht ausreichend abgesichert seien.
Staat stärker in der Pflicht
Viele Befragte sehen vor allem den Staat in der Verantwortung.
Mehr als die Hälfte (55 Prozent) ist der Meinung, dass die Absicherung von Pflegebedürftigkeit in erster Linie Aufgabe des Staates und der gesetzlichen Pflegeversicherung sei.
Weitere Vorschläge zur Finanzierung werden ebenfalls mehrheitlich unterstützt:
- 50 Prozent befürworten staatliche Zuschüsse oder Steuermittel.
- 54 Prozent sprechen sich für eine stärkere Beteiligung Vermögender an Pflegekosten aus.
- 48 Prozent halten höhere Beiträge für gutverdienende Menschen für sinnvoll.
Eine verpflichtende
private Pflegezusatzversicherung findet hingegen deutlich weniger Zustimmung: Nur
27 Prozent unterstützen diesen Ansatz.
Hintergrund
Ende 2025 hatte eine vom Bundesgesundheitsministerium eingesetzte Bund-Länder-Kommission zum „Zukunftspakt Pflege“ eine Roadmap für eine umfassende Pflegereform vorgelegt. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass viele Bürgerinnen und Bürger konkrete Reformschritte erwarten – insbesondere bei der Finanzierung und den Kosten für Pflegebedürftige.
Quelle:
DAK-Gesundheit Rheinland-Pfalz / Institut für Demoskopie Allensbach DAK Pflegereport >