DAK warnt vor mehr Pflegearmut durch Reformpläne
Ein neues DAK-Gutachten kritisiert die geplante Pflegereform der Bundesregierung. Pflegeheimbewohnende müssten demnach deutlich höhere Eigenanteile tragen.
Die geplanten Änderungen an der Pflegereform könnten nach Einschätzung der DAK-Gesundheit zu einer deutlichen Verschärfung des Armutsrisikos für Pflegebedürftige in stationären Einrichtungen führen. Grundlage ist ein aktuelles Kurzgutachten des Bremer Gesundheitsökonomen Prof. Dr. Heinz Rothgang im Auftrag der Krankenkasse.
Kritisch bewertet wird insbesondere die vorgesehene spätere Auszahlung der Leistungszuschläge für Pflegeheimbewohnende. Nach Berechnungen des Gutachtens würden die durchschnittlichen Eigenanteile dadurch sofort um rund 161 Euro pro Monat steigen. Wer seit Anfang 2026 im Pflegeheim lebt, müsste innerhalb von viereinhalb Jahren zusätzlich knapp 20.000 Euro selbst finanzieren.
Nach den bisherigen Reformüberlegungen würde sich die maximale Entlastung von 75 Prozent erst nach viereinhalb Jahren Aufenthaltsdauer ergeben. Bis 2035 könnten die Eigenanteile laut Gutachten auf über 4.500 Euro monatlich steigen – rund 330 Euro mehr als nach aktueller Rechtslage.
Auch die Sozialhilfeträger würden erheblich belastet. Die Ausgaben der Hilfe zur Pflege könnten sich nach den Berechnungen bis Mitte der 2030er-Jahre auf rund 12 Milliarden Euro erhöhen. Allein die geplanten Reformmaßnahmen würden demnach Mehrkosten von etwa zwei Milliarden Euro verursachen.
DAK-Vorstandschef Andreas Storm warnte vor einem „pflegepolitischen Kahlschlag“ und forderte eine faire Lastenverteilung zur Stabilisierung der Pflegeversicherung. Bereits heute liege die Sozialhilfequote unter Pflegeheimbewohnenden bei fast 38 Prozent. Laut Gutachten könnte sie bis 2035 auf rund 46,2 Prozent ansteigen.
Auch Prof. Rothgang äußert deutliche Kritik an den Reformplänen. Der Ansatz schaffe „nur Verlierer“ und gefährde das Ziel der sozialen Pflegeversicherung. Ein wirksamer Schutz vor Pflegearmut sei auf diesem Weg nicht möglich.

