Saarland legt ersten Pflegeinfrastrukturbericht vor

9. Juni 2026

Das Saarland hat erstmals einen Pflegeinfrastrukturbericht veröffentlicht. Die Analyse zeigt einen steigenden Pflegebedarf, Fachkräfteengpässe und Handlungsbedarf bei der Finanzierung der Pflegeinfrastruktur. Besonders die Investitionskosten stationärer Einrichtungen rücken in den Fokus.


Mit dem erstmals veröffentlichten Pflegeinfrastrukturbericht hat das Saarland eine umfassende Bestandsaufnahme der pflegerischen Versorgungsstrukturen im Land vorgelegt. Der Bericht soll als Grundlage für die zukünftige Weiterentwicklung der Pflegeversorgung dienen und liefert zugleich zahlreiche Hinweise auf die Herausforderungen der kommenden Jahre.


Demnach wird die Zahl der Menschen über 75 Jahre im Saarland bis 2040 um rund 25 Prozent steigen. Gleichzeitig wächst die Zahl der Pflegebedürftigen kontinuierlich, während die Gewinnung von Fach- und Hilfskräften eine der größten Herausforderungen für das Pflegesystem bleibt.


Häusliche Pflege gewinnt weiter an Bedeutung


Der Bericht bestätigt einen langfristigen Trend: Die meisten pflegebedürftigen Menschen möchten möglichst lange in ihrem vertrauten Umfeld leben. Entsprechend kommt der ambulanten und häuslichen Versorgung eine zentrale Rolle zu. Bereits heute werden mehr als vier von fünf Pflegebedürftigen im Saarland außerhalb stationärer Einrichtungen versorgt.


Zugleich steigt die Zahl der Menschen, die von ambulanten Diensten betreut werden. Die Zahl der Pflegebedürftigen wächst dabei deutlich schneller als die verfügbaren personellen Ressourcen.


Investitionskostenförderung rückt in den Fokus


Von besonderem Interesse für stationäre Pflegeeinrichtungen dürfte ein Punkt sein, der im Maßnahmenkatalog des Berichts ausdrücklich genannt wird: Die Investitionskosten in stationären Einrichtungen sollen neu bewertet werden. Als konkrete Maßnahme wird empfohlen, die Investitionskostenförderung zu überdenken.


Der Bericht beschreibt die Finanzierung der Pflegeinfrastruktur als gemeinsame Aufgabe von Pflegeversicherung, Kommunen und Land. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass steigende Eigenanteile und hohe Kostenbelastungen die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen zunehmend unter Druck setzen.


Für die Einrichtungen ist dies ein wichtiger Hinweis: Die Frage, in welchem Umfang das Land künftig Investitionen in Gebäude, Modernisierung und Infrastruktur unterstützen könnte, wird im Bericht als Teil der langfristigen Sicherung der Pflegeversorgung betrachtet. Eine konkrete Förderzusage enthält der Bericht zwar nicht, die Problematik wird jedoch ausdrücklich als politisches Handlungsfeld benannt.


Fachkräfte bleiben zentrale Herausforderung


Der Bericht zeigt außerdem, dass sich die Zahl der Altenpflegekräfte im Saarland zwischen 2011 und 2021 zwar verdoppelt hat, gleichzeitig aber weiterhin erhebliche Personalengpässe bestehen. Viele Einrichtungen verfügen über ausreichend Ausbildungsplätze, finden jedoch nicht genügend Bewerberinnen und Bewerber. Auch die internationale Fachkräftegewinnung soll künftig stärker genutzt werden.


Landesregierung setzt auf langfristige Planung


Gesundheitsminister Magnus Jung bezeichnete den Bericht als wichtige Grundlage für künftige politische Entscheidungen. Ziel sei es, die Pflege im Saarland langfristig leistungsfähig, wohnortnah und bezahlbar zu gestalten. Neben dem Ausbau ambulanter Angebote, der Fachkräftegewinnung und der Unterstützung pflegender Angehöriger soll dabei auch die finanzielle Belastung Pflegebedürftiger stärker in den Blick genommen werden. Das Saarland setzt sich nach Angaben des Ministers weiterhin für eine Begrenzung der Eigenanteile in der stationären Pflege ein.


Quelle: Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit



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