✅ Gesundheitskompetenz stärken: Pflegefachpersonen sind Schlüsselakteure für eine gute Primärversorgung
Gesundheitsinformationen sind überall – doch viele Menschen können sie kaum einordnen. Pflegefachpersonen können hier als Wegweiser dienen. Der DBfK betont anlässlich des MVZ-Fachkongresses: Ihre Rolle in Prävention und Primärversorgung muss deutlich gestärkt werden.
Pflegefachpersonen vermitteln Gesundheitskompetenz – unverzichtbar für Prävention und Primärversorgung
Berlin, 28.11.2025 – Das Interesse der Bevölkerung an Gesundheitsfragen ist groß, doch vielen fehlt die Fähigkeit, Informationen richtig zu bewerten und in gesundheitsförderliches Verhalten umzusetzen. Pflegefachpersonen verfügen hier über ein enormes, bislang unzureichend genutztes Potenzial. Bereits das Pflegeberufegesetz verpflichtet sie zum Informieren, Beraten und Anleiten – ein Auftrag, der insbesondere im Rahmen der Primärversorgung immer wichtiger wird.
„Der demografische Wandel mit mehr chronischen Erkrankungen und steigender Pflegebedürftigkeit zeigt, wie essenziell Prävention und Gesundheitskompetenz für unsere Gesellschaft sind“, erklärt Vera Lux, Präsidentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK). Menschen müssten heute einen „Informationsdschungel“ durchdringen, der oft schwer zu bewerten sei. Verlässliche Quellen zu erkennen, Handlungsempfehlungen umzusetzen und individuelle Entscheidungen zu treffen – dabei benötigten Betroffene und Angehörige professionelle Unterstützung. „Und genau hier kann die Profession Pflege Orientierung geben“, so Lux.
Community Health Nurses als zentrale Stütze
Beim 14. MVF-Fachkongress „Agenda 2030: Primärversorgung gestalten“ hob Lux die Bedeutung qualifizierter Pflegefachpersonen wie Community Health Nurses (CHN) hervor. Projekte wie der Gesundheitskiosk in Hamburg-Billstedt/Horn zeigen laut einem Evaluationsbericht der Universität Hamburg, welchen Beitrag akademisch ausgebildete Pflegefachpersonen leisten können:
- verbesserte gesundheitliche Versorgung in sozial benachteiligten Stadtteilen
- niedrigschwellige Zugänge für alle Altersgruppen
- individuelle Beratung vor Ort
- Entlastung anderer Bereiche des Gesundheitssystems
Der DBfK fordert deshalb eine stärkere Verbreitung solcher Modelle und ihre Einbindung in die Regelversorgung. CHN könnten in Kommunen Bedarfe erheben, Angebote entwickeln oder gezielt an andere Leistungserbringer vermitteln. Auch präventive Hausbesuche fördern Gesundheitskompetenz, da Beratung dort spezifisch und alltagsnah erfolgen kann.
Gesundheitskompetenz wichtiger denn je
Die jüngste Neudefinition von „Nurse“ und „Nursing“ durch den International Council of Nurses (ICN) bestätigt aus Sicht des DBfK die zentrale Rolle der Pflege in Zeiten von Krisen, Desinformation und gesellschaftlicher Unsicherheit. „Wir Pflegefachpersonen stehen bereit und bringen die nötige Qualifikation mit“, betont Lux. „Jetzt müssen unsere Ressourcen konsequent genutzt werden.“
Hintergrund: Gesundheitskompetenz in Deutschland bleibt ungleich verteilt
Der Begriff Gesundheitskompetenz („Health Literacy“) beschreibt die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und im Alltag anzuwenden. Die Realität sieht jedoch anders aus, wie die aktuelle Untersuchung HLS-GER 3 der Universität Bielefeld zeigt:
- Menschen mit geringerer Gesundheitskompetenz nutzen das Gesundheitssystem häufiger (mehr Hausarzt- und Notfallkontakte).
- Sie haben mehr Fehltage im Beruf.
- Ungünstige Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten führen subjektiv zu einem schlechteren Gesundheitszustand.
- Gesundheitskompetenz ist sozial ungleich verteilt – mit Folgen für Versorgung und Prävention.
Damit wird deutlich: Eine stärkere Einbindung von Pflegefachpersonen in die Präventionsarbeit kann sowohl individuelle als auch gesamtgesellschaftliche Entlastung bringen.
>> Kurzinformation des DBfK zur Gesundheitskompetenz

