📊 BARMER-Pflegereport 2025: Verdopplung der Pflegebedürftigen – System steht unter massivem Druck
In Deutschland sind mittlerweile 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig – das ist fast doppelt so viel wie 2015. Der neue BARMER-Pflegereport 2025 zeigt: Haupttreiber ist nicht der demografische Wandel, sondern die Leistungsausweitung durch den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff. Für das Pflegesystem ergeben sich daraus erhebliche Herausforderungen.
Dramatische Entwicklung: Pflegebedürftigkeit fast verdoppelt
Laut dem BARMER-Pflegereport 2025 hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen zwischen 2015 und 2023 von rund 3,0 Millionen auf 5,7 Millionen erhöht. Das entspricht einem Anstieg des Anteils in der Bevölkerung von 3,21 % auf 6,24 %.
Doch überraschend: Nur etwa 15 % dieses Anstiegs lassen sich auf die demografische Alterung zurückführen.
Warum der sprunghafte Anstieg? – Einfluss der Pflegereform 2017
Als zentralen Grund nennt der Report die Leistungsausweitung und den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff, der 2017 eingeführt wurde – mit deutlich erweiterten Zugangs- und Anerkennungskriterien.
Untersuchungen zeigen, dass bei vielen Erkrankungen – z. B. Krebs, Demenz, Herzinsuffizienz oder Parkinson – der Anteil der Pflegebedürftigen seit 2017 deutlich steigt. So liegt der Anteil der Pflegebedürftigen unter Demenzkranken 2023 bei 78,5 %, nach 68,1 % im Jahr 2017.
Auch die Zahl der neu Pflegebedürftigen (inzident) nahm bei fast allen untersuchten Erkrankungen zu.
Zudem hat sich die Dauer der Pflegebedürftigkeit verlängert: In den ersten 25 Monaten nach Pflegebeginn stieg die durchschnittliche Pflegezeit zwischen 2018 und 2022 um einen halben Monat.
Konsequenzen: Finanzielle Belastung und Reformdruck steigen
Die rapide Zunahme der Pflegebedürftigen und der damit verbundenen Pflegeleistungen bedeuten eine massive Ausweitung der Ausgaben der Sozialen Pflegeversicherung.
Vor diesem Hintergrund steht die laufende Debatte um den Zukunftspakt Pflege unter besonderem Druck: Leistungserweiterungen, die nicht direkt über demografische Entwicklungen erklärbar sind, müssen sorgfältig geprüft werden.
Der Vorstandsvorsitzende der BARMER, Prof. Dr. med. Christoph Straub, warnt, die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler dürften nicht über Gebühr belastet werden – Bund und Länder müssten ihren Beitrag leisten.
Handlungserfordernis: Pflege deutlich aufwerten und neu organisieren
Der Report verdeutlicht, dass das Problem nicht allein in der Alterung der Gesellschaft liegt, sondern in strukturellen Änderungen bei der Anerkennung von Pflegebedürftigkeit.
Um die Versorgung langfristig sicherzustellen, fordern Expert:innen und Verbände:
- eine systematische, sektorenübergreifende Bedarfsplanung unter Einbezug der Pflegeprofession,
- eine klare finanzielle Beteiligung von Bund und Ländern zur Entlastung der Pflegeversicherung und der Leistungsbezieher:innen, z. B. durch Übernahme von Rentenversicherungsbeiträgen für pflegende Angehörige und Entlastung bei Investitionskosten und Ausbildungskosten.
- eine strukturelle Aufwertung der Pflege – von der Hilfskraft bis zur akademisierten Pflegeperson –, verbunden mit besseren Rahmenbedingungen für Pflegekräfte und Pflegebedürftige.
>> Quelle: Aktuelle Ausgabe – Barmer-Pflegereport 2025

