Ethikrat-Anhörung zur Langzeitpflege: DBfK fordert konsequente Reformen
Der Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) bewertet die öffentliche Anhörung des Deutschen Ethikrat zu den ethischen Herausforderungen der häuslichen und stationären Langzeitpflege als wichtigen Schritt. Aus Sicht des Verbandes entstehen ethische Konflikte in der Pflege vor allem durch strukturelle Mängel. Der DBfK fordert umfassende Reformen, um würdige Versorgung, gute Arbeitsbedingungen und bezahlbare Pflege langfristig sicherzustellen.
Die Anhörung fand im Rahmen der laufenden Arbeit an einer Stellungnahme des Ethikrates statt und sollte die komplexen Problemlagen der Langzeitpflege vertiefen. Eingebunden wurden Perspektiven von Pflegebedürftigen, professionell Pflegenden, Leistungserbringern sowie An- und Zugehörigen – einschließlich wirtschaftlicher und organisationaler Aspekte. Als Sachverständige war auch Vera Lux, Präsidentin des DBfK, eingeladen.
Der DBfK machte deutlich, dass ethische Konflikte in der Langzeitpflege häufig strukturell bedingt sind. „Ethik in der Langzeitpflege entscheidet sich nicht am guten Willen Einzelner, sondern an verlässlichen Rahmenbedingungen“, so Lux. Fehle es an qualifizierten Pflegefachpersonen, entstehe ein permanenter Konflikt zwischen fachlich gebotener Versorgung und dem tatsächlich Machbaren. Der medizinische Fortschritt ermögliche zwar komplexe Therapien auch im hohen Alter, erfordere jedoch entsprechend qualifiziertes Pflegepersonal.
Gleichzeitig stünden Pflegedienste und Pflegeeinrichtungen unter erheblichem Druck. Fachkräftemangel, steigende Kosten, hohe Bürokratiebelastung und ein unzureichender Digitalisierungsgrad führten dazu, dass fachlich und ethisch notwendige Maßnahmen nicht immer zuverlässig umgesetzt werden könnten.
Aus Sicht des DBfK brauche es daher eine grundlegende Reform der Langzeitpflege. Die Rechte pflegebedürftiger Menschen, wie sie unter anderem in der Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen festgeschrieben sind, müssten konsequent abgesichert werden. Zudem sei eine bedarfsgerechte Personalausstattung mit ausreichend qualifizierten und spezialisierten Pflegefachpersonen erforderlich. Weitere zentrale Punkte seien mehr Autonomie in pflegefachlichen Entscheidungen, wirksamer Schutz vor Gewalt, ein deutlicher Bürokratieabbau sowie ein höherer Digitalisierungsgrad.
Auch die Finanzierung der Langzeitpflege müsse neu ausgerichtet werden. Pflege müsse für Betroffene erreichbar und bezahlbar bleiben, ohne dass Einrichtungen gezwungen seien, Kapazitäten abzubauen oder Angebote einzustellen. Angesichts steigender Eigenanteile reichten Rente, Ersparnisse und Vermögen vieler Pflegebedürftiger nicht mehr aus, um die Kosten zu decken. Nicht selten werde ein notwendiger Heimeinzug aus finanziellen Gründen hinausgezögert.

